Kleintierhaltung

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Frettchen haben gern Gesellschaft!


 

Frettchen haben gern Gesellschaft!

Es ist die domestizierte Form des Iltis und hat schon längst einen festen Platz in der Liste der Haustiere: Das Frettchen (Mustela putorius furo) gehört zu den Marderartigen, bevorzugt aber im Gegensatz zu seinen wilden Verwandten das Leben in Gesellschaft mit mindestens einem weiteren Frettchen, besser noch mit mehreren Kameraden, mit denen sie ausgiebig raufen und toben aber auch sich zum Schlafen einkuscheln können.

Wie schon erwähnt, haben Frettchen unsere Haushalte längst erobert. Mit dem Film „Und dann kam Polly“ erfuhren diese liebenswürdigen Kobolde in Deutschland einen wahren Boom. Leider muss man dazu sagen. Denn in vielen Fällen wurden und werden auch heute immer noch Frettchen sehr unbedacht angeschafft. Denn diese kleinen Trolle haben es in sich. Sie sind lebensfroh, äußerst neugierig und – was jeder erfahrene Frettchenhalter bestätigen kann – so gut wie gar nicht erziehbar. Das heißt, dass die Bodenpflanze niemals ein Tabu für eine neugierige Pelznase darstellt, sondern dass man als Frettchenhalter lieber darauf verzichtet, eine Bodenpflanze in Reichweite seiner Kobolde zu haben oder sie entsprechend zu sichern. Das wiederum ist nicht so einfach, denn die pfiffgen Kerlchen sind sehr ausdauernd, wenn es darum geht, etwas anzustellen.

Wer sich also auf das Abenteuer Frettchen einlassen will, der sollte sich ausgiebig mit der Spezies beschäftigen, bevor er zur Tat schreitet. Nur allzu oft werden Frettchen als süße Welpen angeschafft und wenn dann ab einem Alter von etwa 12 Wochen die Probleme losgehen, werden sie leider nur allzu oft wieder abgeschoben.

Mit dem Frettchenboom sind auch spezialisierte Tierschutzvereine entstanden. Das Frettchen ist im Tierheim ein eher ungern gesehener Gast, da es doch ein zeitintensiver Geselle ist, der, wie schon erwähnt, in Einzelhaltung nicht glücklich ist. Hinzu kommt, dass eine Vergesellschaftung mit fremden Kameraden nicht immer einfach verläuft und hier Geduld und Erfahrung seitens der Frettchenhalter gefordert sind. Um die Problemfälle, die wieder abgeschoben und im schlimmsten Fall einfach ausgesetzt werden, kümmern sich die Frettchenhilfen. Sie arbeiten eng mit den Tierheimen in ihrer Umgebung zusammen, kümmern sich um nicht mehr gewollte Frettchen, machen aus so manchem „bissigen“ Kameraden mit viel Liebe und Geduld eine zahme Pelznase, vergesellschaften sie bei Bedarf mit anderen Frettchen und suchen am Ende ein schönes, endgültiges Zuhause für die kleinen Strolche.

Nicht artgerechte Haltung, falsche Ernährung und Vernachlässigung haben für Frettchen fatale Folgen. Frettchenhilfen setzen sich aber nicht nur direkt für die Pelznasen ein, sie stehen auch Frettchenhaltern und vor allem allen, die sich diese liebenswürdigen Kobolde anschaffen wollen, mit Rat und Tat zur Seite. So können Interessenten bei den Mitgliedern der Hilfen Frettchen live erleben und sich vor Ort über verschiedene Haltungsarten, Ernährung und überhaupt alles, was sie zum Thema „Frettchen“ wissen möchten, informieren.

Es geht schon mit der Haltung los. Das Frettchen gilt gesetzlich als Käfigtier, kann also vom Vermieter nicht verboten werden. Doch es ist alles andere als ein reiner Käfigbewohner. Die artgerechteste Haltung ist die Außenhaltung, sprich ein großes ausbruchsicheres Gehege von mindestens 6 Quadratmeter Größe
mit einem gut isolierten Schlaf- und Futterhaus im Gehege. Aber nur, weil kein Garten bzw. kein Platz für solch ein Gehege vorhanden ist, muss man nicht auf Frettchen verzichten. Viele Frettchenliebhaber teilen ihren Wohnraum mit den Kobolden. Große Zimmervolieren oder gar ein eigenes Zimmer – umgestaltet für die pelzigen Kameraden – sind eine Lösung für die Innenhaltung. Als Faustformel gilt, dass für ein Frettchen ein Platzbedarf von 2 Quadratmetern benötigt wird, für jedes weitere kommt ein Quadratmeter hinzu. Im Gehege bzw. Frettchenzimmer müssen mehrere verschiedene Schlafplätze und vor allem eine feste Futter- und Trinkstelle vorhanden sein. Desweiteren dürfen Spielzeug und Versteckmöglichkeitennicht fehlen. Drainagerohre werden besonders gern von den Pelznasen angenommen, gibt es doch nichts Schöneres als durch einen Tunnel zu huschen.

Die Ernährung ist im Grunde genommen ganz einfach: Frettchen sind als Raubtiere ganz klar „Fleischfresser“. Der Rohproteingehalt ihrer Nahrung sollte zu 80 Prozent tierischer Herkunft sein. Am besten eignen sich Futtertiere, wie Eintagsküken und Mäuse, die es tiefgefroren im Handel gibt. Geflügel- und Rindfleisch bieten sich auch an, nur Schweinefleisch ist wegen des evtl. enthaltenem Aujeszky-Virus ein absolutes Tabu! Im Fachhandel gibt es spezielles Frettchen-Trockenfutter, das den Kobolden 24 Stunden am Tag zur Verfügung stehen sollte. Denn die domestizierten Iltisse haben einen sehr kurzen Verdauungsgang von ca. 3 bis 4 Stunden und müssen deshalb permanent Futter zur Verfügung haben. Leckereien, wie z.B. Melone, Gurke oder auch Paprika und Birne, stehen auch auf dem Speiseplan. Wichtig ist, dass Frettchen meist nur das fressen, was sie in der Welpenzeit zu fressen bekommen. Eine spätere Umstellung ist schwer und erfordert sehr viel Geduld.

(Autorin: Nici Jahn)