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Was tun wir nicht alles für ein paar Kröten…


Was tun wir nicht alles für ein paar Kröten…

Alle Jahre wieder, wenn Frost und Schnee aus der Landschaft weichen und die Temperaturen auch nachts deutlich über Null Grad steigen, gehen Molche, Frösche und Kröten auf die Wanderschaft. Sie haben den Winter oftmals weitab ihrer Laichgewässer verbracht, verborgen im Falllaub, unter am Boden liegendem Totholz oder in anderen Löchern und Spalten. Wenn es dann wieder Frühling wird, müssen sie jedoch einen Teich oder Tümpel aufsuchen, um dort ihre Eier abzulegen. Denn die Kaulquappen oder Larven der Amphibien wachsen im Wasser heran.

Doch immer mehr Straßen durchziehen die Landschaft. Das gilt insbesondere für stadtnahe Regionen wie die Hamburger Walddörfer und das angrenzende Stormarn. Damit Kröte und Co. auf dem Weg zum Laichgewässer nicht „unter die Räder“ geraten, werden an Stellen mit individuenreichen Amphibienvorkommen rechtzeitig vor Beginn der Wanderung sogenannte Amphibienzäune installiert: Am Waldrand vor der StraßAmphibienzaun NABUe werden Kunststoff-Folien aufgestellt, die die Wanderstrecken abriegeln. Das untere Ende der Folie muß im Boden versenkt sein, damit die wandernden Amphibien nicht einfach unter der Folie hindurch kriechen. Nun beginnen Molch, Frosch und Kröte an der Folie entlang zu wandern, um irgendwo einen Durchschlupf zu finden. Doch stattdessen fallen sie früher oder später in einen Eimer, der an der Innenseite im Boden versenkt wurde. Jeden Morgen und jeden Abend (je nach Individuenzahl auch häufiger) werden die Eimer dann von ehrenamtlichen Naturschützern geleert und die Tiere sicher über die Straße getragen. Natürlich nicht, ohne vorher gezählt, bestimmt und dokumentiert zu werden.

Der Arbeitskreis Walddörfer im Naturschutzbund (NABU) betreut seit vielen Jahren einen Amphibienzaun am Moorredder in Hamburg-Volksdorf. Weitere Zäune an anderen Standorten wurden vorübergehend betreut, später aber mangels ausreichender Tierzahlen dann wieder aufgegeben. Doch viel zu oft machen sich die Tiere heutzutage auch vergebens auf den Weg. Denn die Gewässer, die sie aufsuchen wollten, sind mittlerweile verschwunden.

Zahlreiche Tümpel wurden in den letzten Jahrzehnten zugeschüttet, trockengelegt, vergiftet oder vermüllt. Der NABU Arbeitskreis Walddörfer kontrolliert und betreut daher verschiedene Kleingewässer wie die Bergstedter Teiche, die Naturdenkmale Timmermoor undKröten im Teich NABU Kiebitzmoor, sowie einen Abschnitt der Moorbek an der Hamburgischen Landesgrenze. Die umfangreichsten Amphibienschutzmaßnahmen haben jedoch im NSG Duvenstedter Brook stattgefunden: Seit Mitte der 1980er Jahre hat das Naturschutzamt der Umweltbehörde Hamburg dort dutzende Teiche neu angelegt. Diese werden von ehrenamtlichen Naturschützern regelmäßig auf Vorkommen von Amphibien, Libellen und anderen Wassertieren kontrolliert. NachdeKröten auf der Hand NABUm einige dieser Gewässer im Lauf von knapp zwei Jahrzehnten weitgehend verkrautet und verlandet waren, hatte der NABU Walddörfer 2004 – natürlich in Abstimmung mit den anderen betreuenden Verbänden und den Behörden – neun weitgehend verlandete Teiche wieder ausbaggern, sowie vier komplett neu anlegen lassen. Die Amphibien – darunter auch so seltene Arten wie Moorfrosch und Laubfrosch – haben es mit reger Vermehrung gedankt…

(Autor & Fotos: Jens-Peter Stödter, NABU Arbeitskreis Walddörfer. Weitere Informationen zum Amphibienschutz im Brook und in den Walddörfern bekommen Sie im Internet unter www.NABU-Hamburg.de/Walddoerfer oder auf unseren monatlichen Besprechungsabenden jeweils am 1. Dienstag im Monat um 19:00 Uhr „Op‘n Böhn“ der Volksdorfer Schulkate, Im Alten Dorfe 60, 22359 Hamburg. Falls Sie noch Fragen haben, erreichen Sie uns unter walddoerfer@ nabu-hamburg.de)